Der Beichtstuhl der Wissenschaft – eine partizipative Kunstinstallation

Projektdokumentation zum 5. Jahrestag des Baubeginns

I. Ankündigungstext

Patente / Plagiate / Prüfungen / Prestige / Professionen / Photoshop / Preisträger

Alle viereinhalb Jahre vervierfacht sich das Wissen der Menschheit, oder? Gerade die Berufsgruppe der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entwickelt unsagbar viele Strategien, um die Ansprüche an sie und an sich selbst zu erfüllen. Gleichzeitig gibt es in der Dienstleistungsbranche kaum einen Betrieb, der mehr Glaubwürdigkeit verkörpert als die Universität. Die Universität als Dienstleistungsunternehmen produziert Wissen auf einem doppelten Spannungsfeld: zwischen Verwertungszwang und emanzipatorischem Bildungsanspruch, zwischen Eitelkeiten und bloßer Selbsterhaltung.

Es gilt sich auszukennen auf dem Terrain von Photoshop und Beschönigung, Komplizenschaft und Karriereförderung, Unterschlagung, List, Lüge und Plagiat. Wie spart man Zeit und Arbeit? Wie verdient man Geld und Anerkennung? Welche Techniken sind die effizientesten? Welche Moral ist passend? Wen muss man kennen? Wir fragen nach!

Um keine Fassaden einzureißen und keine Marktwerte zu zerstören, bieten wir einen Beichtstuhl an und thematisieren das Ganze privat und anonym: Wir heißen Sie herzlich Willkommen beim Beichtstuhl der Wissenschaft!

 

II. Beschreibung

Der Beichtstuhl der Wissenschaft auf dem Hegelplatz am Hauptgebäude der Humboldt-Universität zu Berlin

Der Beichtstuhl der Wissenschaft auf dem Hegelplatz am Hauptgebäude der Humboldt-Universität zu Berlin

Im Juni 2010, ein halbes Jahr vor der Plagiatsaffäre des Bundesverteidigungsminsters zu Guttenberg, machten die Künstler Agnieszka Sommer und Sascha Frank der Wissenschaft bereits ein Angebot zur Aufarbeitung der internen Produktionsbedingungen. Die Partizipative Kunstinstallation „Beichststuhl der Wissenschaft“ debütierte auf der Langen Nacht der Wissenschaften 2010 und bot im Anschluß zwei Wochen lang die Möglichkeit, sich auf dem Hegelplatz am Hauptgebäude der Humboldt-Universität Berlin die Beichte abnehmen zu lassen. Zweieinhalb Jahre später, im Februar 2013, wurde der Bundesbildungsministerin Annette Schavan vom Fakultätsrat der Heinrich-Heine-Universität der „Tatbestand einer vorsätzlichen Täuschung durch Plagiat“ attestiert und damit der Doktorgrad aberkannt. Die Ministerin trat zurück.

III. Typentest

Für  verunsicherte Beteiligte haben wir einen Online-Typentest entwickelt, mit dem Sie anonym feststellen können, wie Ihr Verhalten im Wissenschaftsbetrieb auf den Nenner zu bringen wäre. Willkommen beim Typentest! Zum Test (PDF)

IV. Beichten & Beichten abnehmen

Hier auf dieser Seite können Sie die online abgegebenen Beichten abnehmen, einfach durch Lesen! Wir leiten jede Beichte an Sie weiter, die abgegeben wurde. Lediglich Diffamierungen behalten wir uns vor, zu löschen. Zu den Abgegebenen Beichten (PDF) / Zur Beichtanleitung (PDF)

V. Bilder

  • Der Beichtstuhl der Wissenschaft bei der Langen Nacht der Wissenschaften 2010 an der Berliner Humboldt-Universität. Die vier Kubikmeter große, begehbare Skulptur der Künstler Agnieszka Sommer und Sascha Frank stand zwei Wochen lang auf dem Hegelplatz am Hauptgebäude der Universität.

VI. Unterstützer*innen & Förderer

Wir bedanken uns besonders für die Hilfe und Unterstützung bei Frank Weber, Deborah Zehnder, Diego Iturriza, Witja Frank und Juliane Morgenstern.

Der Beichtstuhl der Wissenschaft wurde gefördert von:

Psychologiemuseum

Humboldt-Universität zu Berlin, Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,

Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin,

Fachschaft des Instituts für Sozialwissenschaften HUB,

Fachschaft des Instituts für Kulturwissenschaft HUB.

Wir danken dem Grünflächenamt Mitte für die freundliche Unterstützung.

VII. Presse

Artikel in der WELT

Erwähnung im Berliner Kurier

Ankündigung der Universität

Presseerklärung der Veranstalter zum Erfolg der  Langen Nacht der Wissenschaften

 

Schreibe einen Kommentar


*