doppeltes zeigen
Erzählungen von Arbeit im Film

Die meisten Erzählfilme beginnen, wenn die Arbeitszeit um ist.  (H. Farocki)

 

Drei Filmabende im Turm der REFO Berlin Moabit:

17.09.2015, 19:30 Uhr: dead end road movie, 1993 + performance

24.09.2015, 19:30 Uhr: shifting short films, 1968 – 2018 + lecture performance

01.10.2015, 19:30 Uhr: docventure, 2005 + performance

 

In ZusammenArbeit mit Paul Riemann* und REFO Moabit

19.30 Uhr Einlass, 20.00 Uhr Performance & Film, im Anschluß Wein und Gespräche, der Eintritt ist frei.
Wiclefstraße 32, Ecke Beusselsstraße, Berlin Moabit, Nähe S Beusselstraße, U Birkenstraße, Bus 109, 123 & TXL

*Paul Riemann ist Kulturwissenschaftler, Autor und bildender Künstler und lebt in Berlin.

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doppeltes zeigen – Erzählungen von Arbeit im Film

distanziert beobachtend oder poetisch geben sich Filme, die von Arbeit handeln. Sprache, Dramaturgie, Handkamera… – ihre formalen Gestaltungsmittel sind wesentlicher Bestandteil der Erzählweise. Das Zeigen wird zur Intention, die Sichtbarmachung zur politischen Absicht. Nur nicht das eigene Private. Dass diese Bilder selbst am Ende eines mehrfach geteilten Arbeitsprozesses stehen, bleibt auch in Making-ofs meist unsichtbar. Filmarbeit, die Arbeit abbildet, ist als Prozess im Bewegungsbild repräsentiert. Dennoch funktioniert Film im wesentlichen als Ort nach der Arbeit.

In Krimis und Reality Shows zeigt das Fernsehen, wie daran gearbeitet wird, die Welt, so wie sie ist, „in Ordnung“ zu halten. Erzählungen von Arbeit selbst bleiben dem Experimental- und Dokumentarfilm überlassen, ab und an in Filmreihen wertgeschätzt. Hier allerdings lagert das Sichtbare jenseits des eigenen Arbeitslebens, wird vor allem die körperliche Arbeit zum Sujet. Produktivkräfte und Energiemenge, Schwerstarbeit und Fabriken, voyeuristisch, exotisch, scheinen das Publikum hierzulande am meisten zu interessieren. Andere Arbeitsbegriffe werden kaum inszeniert. Wesentlich seltener erwähnt werden unbezahlte Arbeit, Reproduktionsarbeit oder politisches Engagement. Das subjektive Verhältnis zur Arbeit gerät ebenso wenig in den Blick, wie die Vorstellungen von Männlichkeiten, die wesentlich durch Berufspositionen konstituiert werden.

So verweilt man bei der Geste des Zeigens ohne weitreichende Diskussionen. Darstellungen von Arbeit und die eigene gesellschaftliche Arbeitsorganisiation werden getrennt voneinander betrachtet. Wie aber lassen sich die eigene Praxis der Bildauswahl, der Gewichtung von Themen und Arbeitsthesen öffentlich thematisieren? Wie lässt sich mit einer Filmreihe auch irgendwie in praktischer Weise Stellung beziehen? Wem nützt das, und wer sind hier eigentlich die Adressaten? Bleibt es letztlich nicht doch bei der bloßen Anteilnahme, dem ästhetischen Diskurs? In unserer zweiten Filmreihe möchten wir mit euch diesen Fragen nachgehen.

andernorts, arbeit im film..

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